Stimmen zu Chor & Licht 2006
Licht spielt bei Konzert große Rolle
Ilona Mayer, Freie Presse Hohenstein-Ernstthal
Lichtenstein. Als am Samstagabend im Daetz-Centrum das Licht ausgegangen ist, war das kein Fehler der Technik, sondern der Beginn eines besonderen a-cappella-Konzertes: „O magnum mysterium“. Der Chor „Taktwechsel“ verfügt über eine enorme Stimmenvielfalt. Simone Maron (Sopran), Anke Fröhlich (Alt), Christian Günther (Tenor) und Jörg Kruggel (Bass) überzeugten mit solistischen Vorträgen. Unterstützt wurden die insgesamt 15 Sängerinnen und sieben Sänger des Chores „Taktwechsel“ durch gut abgestimmte Beleuchtungstechnik. Scheinwerfer produzierten gelbe, weiße, grüne, rote und blaue Farbtöne und tauchten die Sänger in ein ständig wechselndes Farbenmeer. Je nach Inhalt der Lieder unterschied sich auch die Intensität der Farbgebung. Das alte Weihnachtslied, Lieb Nachtigall wach auf oder Jubilate Deo erschienen, wie alle vorgetragenen Lieder jeweils in einem anderen Licht. Freude, Wärme oder Erkenntnis wurden hörbar und sichtbar gemacht. Die Gäste hörten Kompositionen aus der Zeit des 16. Jahrhunderts bis zum 19. Jahrhundert, sowie ein aktuelles Stück von Fabio Fresi. Christian Günther, der den Chor seit März 2004 leitet, steht nicht, wie man es von einem Dirigent gewohnt ist, vor den Singenden, sondern mischt sich unter die Gruppe. Unter Günthers Leitung gewann „Taktwechsel“ in diesem Jahr erstmals einen Chorwettbewerb. Die Motette „O magnum mysterium“ von Francis Poulenc lieferte den Titel für das Weihnachtskonzert, das etwa 150 Besucher miterlebten. Beigeistert verfolgten die Anwesenden das Nacherzählen der Weihnachtsgeschichte mit a-cappella-Musik und Lichtzauberei.
Am Donnerstag führt „Taktwechsel“ sein Konzert „O magnum mysterium“ noch einmal auf. Dann wird der Chor ab 19.30 Uhr zu Gast sein im Druckhaus der „Freien Presse“ am Chemnitzer Südring. Es wird eine neue Herausforderung für Chor und Techniker, in einem architektonisch völlig anderen Raum aufzutreten.
Kunstvolle Stimmen in der Kathedrale der Technik
Freie Presse, Matthias Zwarg
Chemnitz. Wie Orgelpfeifen stehen die riesigen Papierrollen im Hintergrund. In zwei Stunden wird darauf die Zeitung von morgen gedruckt mit den Neuigkeiten von heute. Profane Neuigkeiten meist, Kriege, Verbrechen, politischer Streit, Neuigkeiten von altem Streit darüber, wie die Welt aussehen sollte, in der wir leben.
Jetzt aber ist das Papier nur profane Kulisse für eine der ältesten Neuigkeiten der Welt: „O magnum mysterium“ hat der junge Chemnitzer Chor Taktwechsel sein Weihnachtsprogramm genannt, klassische und moderne Lieder, die die Weihnachtsgeschichte nacherzählen. Eine Geschichte, die neben allem anderen auch bedeutet: Es ist ein anderes Leben möglich als das von Geiz und Gier, von Hass und Streit bestimmte. Ein Leben in Frieden, Achtung und Würde.
Es ist ein strenges Programm, das sich der Chor unter der im wahrsten Sinne des Wortes zurückhaltenden Leitung von Christian Günther (er steht nicht vor den Sängerinnen und Sängern, sondern mitten unter ihnen) gegeben hat. Nicht nur bekannte, populäre Weihnachtslieder, auch selten gehörte, schwierig zu singende Stücke von Francis Poulenc, Carl Orff, Zeitgenössisches von Jürgen Golle – Lieder, deren Schwierigkeiten der Chor trotz einiger „angeschlagener Stimmen“ meistert, und selbst ein weihnachtlicher Gassenhauer wie „Es ist ein Ros entsprungen“ gewinnt in der behutsamen, stillen, langsamen Interpretation des Chores eine neue Farbe.

- Foto: Freie Presse, H. W. Schmidt
Farbe, die stilvoll und zurückhaltend unterstrichen wird von den Lichtspielen, die der Beleuchtungsmeister des Schauspielhauses Dietmar Lange dem Konzert unterlegt. Nur auf den Nebel, überflüssige Anleihe aus dem Popgeschäft, hätte man vielleicht verzichten können. Während Matthias Müllers Cembalo-Spiel – mit der Uraufführung einer von ihm komponierten „Fantasie im alten Stil“ – eine willkommene Bereicherung ist.
Der Chor erzählt die Weihnachtsgeschichte als eine kunstvolle, beinahe künstliche Geschichte, nah am biblischen Text, ohne Raum für das alltägliche Leben, dem sie entspringt. Dies kann man als Mangel empfinden. Aber der Gegensatz zwischen der profanen Umgebung in einer der neuen Kathedralen der Technik und der Entrücktheit, Erhabenheit dieser Weihnachtsgeschichte hat auch seinen Reiz. Das setzt einen Akzent gegen die Kommerzialisierung der Weihnachtszeit, gegen die hektische Betriebsamkeit, die oft nur unvollkommen verdeckt, wie wenig von den Werten, für die Weihnachten steht, im Alltag geblieben ist.
Mehr als 300 Zuhörerinnen und Zuhörer honorierten dieses Angebot der Besinnlichkeit mit zuerst zaghaftem (als wolle man den konzentrierten Chor nicht stören), am Ende kräftigem Applaus und der wurde dann mit einer Zugabe belohnt.

