taktwechsels erster Chorwettbewerb
Anderthalb Jahre nach unsrer Gründung haben wir es gewagt und uns erstmals zu einer Teilnahme an einem Chorwettbewerb angemeldet. Die Wahl fiel auf einen kleinen Wettbewerb im badischen Siegelsbach, der am 20. Mai stattfand. Wir haben uns mit Titeln von Karg-Elert, di Lasso und den Bearbeitungen des tschechischen Volksliedes „Ging auf den Jahrmarkt ein Bäuerlein“ sowie amerikanischen Weisen gut vorbereitet und starteten am Freitagmittag gut gelaunt gen Westen. Per Bus ging es gemeinsam mit den beiden (zumindest zu diesem Zeitpunkt*) jüngsten taktwechsel-Babys Nele und Thekla auf die Reise.
Nach der Übernachtung in einer Jugendherberge, die uns mit der Erwartung überraschte, dass die Gäste fürs Abtrocknen zuständig sind, nutzten wir den Vormittag zu letzten Proben, um dann mittags nach Siegelsbach aufzubrechen. Der dortige Männergesangsverein Eintracht 1906 Siegelsbach e.V. feierte ganz groß sein 100jähriges Bestehen und nahm dieses zum Anlass, erstmals einen Chorwettbewerb mit internationaler Jury auszurichten und hatte so natürlich viele Sänger zu Gast. Wir hatten uns für die Teilnahme am klassischen Chorwettbewerb gemeldet. Daneben fand auch ein Chorwettbewerb in der Kategorie Jazz/Pop statt. 17.00 Uhr begann der klassische Chorwettbwerb, unser Auftritt sollte den Wettbewerb beschließen – wir mussten also irgendwie einige Stunden Wartezeit überstehen, um dann auf den Punkt fit zu sein. Man braucht sicher nicht betonen, dass die Anspannung minütlich stieg, auch wenn die ersten Eindrücke von den Auftritten der anderen Mitstreiter uns hoffen ließen, recht gut abschneiden zu können. Kurz bevor wir dann endlich auftreten konnten, vernahmen wir noch den tobenden Applaus des Publikums nach dem Auftritt des
Egelner Kammerchors Young Voices (Sachsen-Anhalt). ‚Die scheinen gut gewesen zu sein’, konnten wir noch denken und dann wurde es ernst. Christian Günther räumte noch das Notenpult zur Seite, gab die ersten Töne und los ging’s. Und es lief gut! Eine kleine Unsicherheit bemerkten wir selbst, aber die Lippenleser unter unseren Sängern meinten nach dem Auftritt, dass einer der Juroren zu seinem Nachbarn gesagt hätte: „Da kann man schon mal klatschen!“, was sie dann auch taten... Wir selbst hatten auch ein ganz gutes Gefühl, zumindest schien der Funke zum Publikum übergesprungen zu sein.
Nun hieß es sich gedulden, sollten doch noch die Auftritte der Jazz-Chöre folgen. Dann wollte die Jury tagen und gegen 22.30 Uhr sollte dann die Preisverleihung erfolgen. Wir hörten uns dann den Jazz-Chorwettbewerb noch an, aber, ehrlich gesagt, fieberten wir innerlich der Preisverleihung entgegen. War es doch das erste Mal, dass wir uns einer Jury stellten und nun waren wir kurz davor zu erfahren, was anerkannte Fachleute von unserer Arbeit hielten. Es wurde dann 22.30 Uhr, 22.45 Uhr, 23.00 Uhr und die Jury kam nicht. In der Zwischenzeit stieg die Stimmung im Festsaal und es entstand unter den Chören ein sehr schönes spontanes Singen von Kanons, Volksliedern und dem ein oder anderen lokal gefärbten Vortrag. Dabei steuerten die taktwechsel-Herren mit ihrem legendären „Turm-Glückauf“ auch einen erzgebirgischen Beitrag bei. „Singen verbindet“, das konnten wir auf jeden Fall in diesem Moment sehr intensiv erleben.
23.15 Uhr kamen sie dann, die Juroren. Endlich! Wir hatten uns das Minimalziel gesetzt, 20 von 25 Punkten zu erreichen. Schauen wir mal, ob das gelungen ist. Nach einführenden lobenden Worten der Jury an die Ausrichter und die Teilnehmer wurden die Chorleiter auf die Bühne gerufen und zunächst die Urkunden für den klassischen Wettbewerb vergeben. Es begann mit 15 Punkten für den Letztplatzierten und dann ging es Schritt für Schritt aufwärts. Platz 5 belegte ein Männerchor mit 20,1 Punkten. Erstes Ziel erreicht! Platz 4 und 3 gingen auch nicht an uns, und da waren’s nur noch zwei: die Egelner und wir. Und dann wagt es der Juror doch zu sagen, dass man jetzt den Gewinner noch nicht verkünden will, um die Spannung zu bewahren. Das darf doch nicht wahr sein! Jetzt sollten doch tatsächlich erst die Platzierungen des Jazz-Wettbewerbs verkündet werden, und man wollte noch die Gewinner des Preises für das interessanteste Programm und die beste Dirigentenleistung verkünden. Bei dieser Ankündigung konnte unser auf der Bühne geduldig ausharrender Leiter Christian Günther nur noch die Unterlippe vorschieben, zum einen aus Enttäuschung über die anhaltende Spannung: ‚Ich will endlich wissen, ob wir gewonnen haben!’, und zum anderen aus Enttäuschung über die für uns doch so uninteressante Verkündung des Dirigentenpreises, schließlich treten wir bekanntlich ohne Dirigenten auf...
Auf jeden Fall ging es mit dem Dirigentenpreis wieder los mit Bronze-Diplom, Silber-Diplom und dann hieß es: „Der goldene Dirigentenpreis für den Chor mit der besten künstlerischen Leistung geht an: Christian Günther!“ Wir konnten es kaum fassen und lagen uns kreischend in den Armen, denn – wenn wir mit allem gerechnet haben – das kam völlig überraschend! Und so ging es Christian auf der Bühne offensichtlich auch. Wir waren völlig happy und konnten dann am Rande nur noch registrieren, dass die Egelner, die ja auch auf die Bekanntgabe des Gesamtsieges warteten, den Preis für das interessanteste Programm erhielten. Und wer hat denn nun gewonnen? Nach scheinbar endlosem Warten kam dann der Moment der Wahrheit: „Der erste Preis und damit der Pokal des dulgon-Chorwettbewerbes geht an taktwechsel Chemnitz.“ Da gab es dann gar kein Halten mehr. Das war fast zu viel für uns: unsere erste Wettbewerbsteilnahme und dann gleich gewonnen. Unglaublich! Irgendwie brachten wir es dann tatsächlich noch fertig, mit unseren vom Freudenjubel leicht mitgenommenen Stimmen noch einen mitternächtlichen Siegestitel zu singen, um anschließend leicht beschwingt zum Bus zu schweben, wo die ersten Sektkorken flogen. Immerhin hatten wir 23,4 Punkte zu feiern und konnten uns über das Lob der Jury für “das interessante Programm und dessen technisch und musikalisch überzeugende Umsetzung“ freuen. Das war wirklich ein unbeschreibliches Gefühl, das uns sicherlich auch Auftrieb für die weiteren Vorhaben gibt und uns als Chor weiter zusammenschweißt.
Am folgenden Sonntag ging es dann wieder in Richtung Heimat, wo wir dann nach heil überstandenem Reifenplatzer freudig begrüßt wurden, indem vor dem Bus tatsächlich ein roter Teppich ausgerollt wurde (na ja, es war eher ein kleiner Läufer, aber immerhin!).
* Inzwischen haben schon drei neue taktwechsel-Babys das Licht der Welt erblickt: Valentin und Merle. Den glücklichen Eltern an dieser Stelle einmal mehr einen herzlichen Gruß! Am 09.08.2006 hat Lina-Marie den taktwechsel-Baby-Reigen mit ihrer Ankunft erweitert. Auch ihr alles Liebe von uns taktwechslern.




