AGRICOLA (2005)

Das Jahr 2005 stand ganz im Zeichen des großen Humanisten und Montanwissenschaftlers Georgius Agricola, der eigentlich Georg Bauer (Pawer) hieß und am 24. März 1494 in Glauchau/Sachsen geboren wurde. Wie dazumal unter Humanisten üblich, latinisierte der Tuchmacherssohn später seinen Namen und ging als Georgius Agricola in die Weltgeschichte ein.
Georgius Agricola studierte in Leipzig Theologie, Philosophie und Philologie. Im Jahre 1518 übernahm er in Zwickau die Stelle als Lehrer für alte Sprachen. Ab 1524 -1526 studierte er in Italien Medizin und Naturwissenschaften. Im Jahre 1527 ließ er sich in St. Joachimsthal (Jachymov) als Stadtarzt und Apotheker nieder. Schon bald begeisterte ihn der Bergbau so sehr, dass er die Tätigkeit als Arzt aufgab.
Im Jahre 1530 erschien seine erste bergbaukundliche Schrift Bergmannus sive de re metallica, in der Agricola das Erzrevier von St. Joachimsthal und die dort vorkommenden Mineralien behandelte. 1531 zog Agricola nach Chemnitz, wo er als Stadtarzt und Histograph tätig war. Hier in Chemnitz übernimmt er 1546 auf Anordnung des Herzogs Moritz von Sachsen das Amt des Bürgermeisters, ebenso in den Jahren 1547, 1551 und 1553. Im Jahre 1544 erscheint eine Abhandlung Über die Entstehung und Gesetzmäßigkeit der Dinge unter der Erde, 1546 dann Von dem was unter der Erde hervorstießt und im Jahre 1549 Von den alten und neuen Metallen.

- Abb.: Titelseite der De re metallica Libri XII, Agricolas Hauptwerk
Seine zwanzigjährige Forschungsarbeit schließt Agricola im umfangreichsten bergbaukundlichen Werk De re metallica libri XII - Zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen sowie sein Buch von den Lebewesen unter Tage ab, das in seiner Chemnitzer Zeit entsteht.
1555 stirbt Georgius Agricola schließlich in Chemnitz. Seiner Konfession wegen kommt der langjährige Bürgermeister der Stadt aber nicht in Chemnitzer Erde, „regiert“ doch in der Stadt seit 1539 die Reformation. Seine letzte Ruhe findet er in Zeitz.
2005 jährte sich sein Todestag zum 450. Mal. Wir hatten dies zum Anlass genommen, Leben, Arbeit und musikalisches Schaffen jener Zeit mit all seinen Beziehungen ins Hier und Jetzt in ein Konzertprogramm für einen gemischten Chor zu packen und so den Geist jener Zeit – die Geschichtsschreiber werden den Begriff erst viel später prägen – den Geist der Renaissance für unser Publikum erlebbar zu machen.

- Foto: taktwechsel, Jörg Kruggel
Begonnen hatten wir unser Programm mit einem Stück, das Agricola gut und gern gekannt haben könnte, der aus dem Mittelhochdeutschen überlieferten Geschichte des Peter Unverdorben auf dem Weg zu seiner Hinrichtung. Ferner im Programm Zeitgenossen Agricolas, vom Bergkreyen oder dem Berggeschrei war zu hören. Melodien, hoch vom Turme zu singen, erklangen. Aber auch ein „Schloss im Berge“, von sieben Zwergen gehütet, spielte eine Rolle im
Taktwechsel-Programm 2005.
Mehr über Georgius Agricola finden Sie zum Beispiel bei
Wikipedia oder dem
Agricola-Forschungszentrum Chemnitz. Wer gern einmal in der digitalen „De re metallica“ nachlesen möchte, kann das natürlich auch tun. Die
Uni Köln war schon mal so fleißig. Besonders ans Herz legen wollen wir dem geneigten Leser schon einmal unsere Lieblingsfundstelle von den Lebewesen unter Tage. So richtig interessant wird es aber erst auf Seite 539 unten.
Seit kurzem bietet sich auch die eher bibliophile Lösung: Der marixverlag Wiesbaden hat unter der ISBN-10-Nummer 3-86539-097-8 Agricolas Zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen neu aufgelegt und so allen interessierten Lesern erschlossen.

